Praxisinfo Juli 2021

Liebe Patientin, lieber Patient,

Auch in dieser Praxisinfo möchten wir Sie wie immer über ein medizinisches Thema informieren, heute über die G E N D E R – M E D I Z I N nachdem das „gendern“ derzeit in aller Munde ist.  Hierbei handelt es sich um einen Zweig der Humanmedizin, der erst ab dem Jahr 2001 Einzug in die Therapie- und Diagnosekonzepte der medizinischen Wissenschaft gefunden hat. In Deutschland begründete die Fachärztin für Kardiologie Vera Regitz-Zagrosek an der Charite in Berlin diese Sparte der Medizin mit der Herausgabe des ersten Lehrbuches im Jahr 2011! Bis dahin erkannten selbst Ärzte in Kliniken und Praxen die Bedeutung der Gender Medizin nicht immer.

Was bedeutet Gendermedizin? Der Begriff „Gender“ kommt aus dem Englischen und bezeichnet das soziale Geschlecht, womit ganz allgemein die gesellschaftlich abhängige soziale und kulturelle Geschlechterrolle von Mann und Frau gemeint ist. Die Gender Medizin widmet sich den verschiedenen Symptomen und Ausprägungen von Krankheiten bei Frauen und Männern, die durch unterschiedliche genetische und biologische Voraussetzungen begründet sind.

 Krankheiten können bei Frauen und Männern unterschiedliche Symptome hervorrufen und dadurch zu Fehldiagnosen führen. Frauen und Männer reagieren zum Beispiel durch eine andere Fettverteilung im Körper und durch die geschlechtsspezifischen Hormone unterschiedlich auf bestimmte Medikamente. So wirken Medikamente zur Behandlung von Depressionen bei Frauen durch den Einfluss des weiblichen Sexualhormons Östrogen stärker als bei Männern, was wiederum das Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen einer solchen Therapie beeinflusst. Dies gilt auch für andere Medikamente auf Grund der unterschiedlichen Aufnahme und Verstoffwechselung im männlichen oder weiblichen Organismus. So wirken die bei Bluthochdruck verordneten Beta-Blocker (Metoprolol) bei Frauen wesentlich stärker als bei Männern. Dagegen benötigen Männer bei schweren Schmerzzuständen, zum Beispiel bei einem Tumorleiden,  40% höhere Morphiumdosen als Frauen um Schmerzfreiheit zu erzielen.

 Diese Erkenntnisse finden zunehmend Eingang in Arzneimittelstudien zu Wirkung und Nebenwirkung. Bisher wurden nämlich die meisten Studien dieser Art ausschließlich bei Männern unter dem 65. Lebensjahr durchgeführt.

Hinzu kommt, dass Männer und Frauen unterschiedlich krank werden. Dazu einige Beispiele:

1.Psychische Störungen: Diese werden bei Männern, obwohl sie bei diesen im Laufe des Lebens ebenso oft wie bei Frauen auftreten „unterdiagnostiziert“. Während Frauen mit einer depressiven Symptomatik eher einen Therapeuten aufsuchen, verbergen Männer die gleichen Gesundheitsstörungen hinter einer gesteigerten Aggressivität oder einer übermäßigen Risikobereitschaft und der Neigung zum Suchtverhalten. Dazu kommt, dass viele Therapeuten dazu neigen bei unterschiedlichen psychischen Symptomen den Frauen eine psychosomatische Erkrankung zu diagnostizieren und bei gleicher  Symptomatik bei Männern erst nach organischen Ursachen zu suchen.

2.Herz-Kreislauferkrankungen: Die Symptome eines Herzinfarktes äußern sich bei Männern und Frauen oft unterschiedlich. Während in der Regel ein Herzinfarkt beim Mann mit typischen Symptomen abläuft, beginnt die Symptomatik bei der Frau oft mit einer vegetativen Symptomatik wie Schweißausbrüche oder unspezifischen  körperlichen Symptomen, so zum Beispiel nur mit Rückenschmerzen. Dies führt zu fatalen Fehldiagnosen und einer verspäteten Therapie für die betroffenen Frauen. Die neuesten Statistiken zeigen, dass Patientinnen unter 60 Jahren öfter am Herzinfarkt versterben als Männer.

3.Stoffwechselstörungen: Die Früherkennung  einer Zuckererkrankung (Diabetes) ist bei Frauen schwieriger als bei Männern. Während Männer mit einem Risiko an Diabetes zu erkranken schon sehr frühzeitig zu hohe Nüchternblutzuckerwerte aufweisen, kann eine solche schwerwiegende Erkrankung bei Frauen oft erst durch einen aufwendigen so genannten Zuckerbelastungstest frühzeitig erkannt werden. Bei Frauen mit einem therapiebedürftigen Diabetes lässt sich dieser auch schwerer einstellen als bei Männern, da diese zum Beispiel empfindlicher auf eine Insulintherapie reagieren. Erhöhte Cholesterinwerte führen bei Männern wesentlich früher zu Komplikationen, wie Schlaganfall und Herzinfarkt, als bei geschlechtsreifen Frauen. Dies beruht auf der Schutzfunktion des weiblichen Sexualhormons Östrogen für die Blutgefäße. Mit Eintritt in das Klimakterium, das heißt mit dem Abfall des Östrogenspiegels steigt das Risiko der Frauen mit einer Störung des Fettstoffwechsels an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erkranken erheblich.

4.Thromboserisiko: Östrogene der Frau erhöhen das Risiko an einer Thrombose oder Lungenembolie zu erkranken. Dieses Risiko steigt bei Raucherinnen und Patientinnen die bestimmte Hormonpräparate zur Empfängnisverhütung einnehmen erheblich.

5.Osteoporose: Unsere Sexualhormone, die Östrogene der Frau oder das Testosteron des Mannes sind mitverantwortlich für die so genannte „Knochendichte“. Mit Ausfall der Östrogenproduktion nach Eintritt des Klimakteriums hat deshalb die Frau ein erheblich höheres Risiko an einer Osteoporose zu erkranken als der Mann, da dieser bis ins hohe Lebensalter Testosteron, wenn auch im abklingendem Maße, produziert.

An diesen Beispielen zeigt sich einmal mehr, dass auch in der Humanmedizin Frau und Mann nicht „über einen Kamm geschoren werden dürfen“. Wir setzen  deshalb auch in unserer Praxis die Erkenntnisse der Gender Medizin konsequent um.

Abschließend möchten wir im Zusammenhang mit den Impfungen gegen das Covidvirus nochmals auf  unsere Praxisinfos in den vorherigen Monaten hinweisen. Sie finden Sie auf unserer Homepage unter „Praxisinfo“. Außerdem finden Sie auf unsere Homepage  entsprechende Hinweise zur Organisation und zum Ablauf der Impfungen in unserer Praxis. Wir bitten um Beachtung dieser Hinweise. Sie tragen damit wesentlich zur stressfreien Durchführung der Impfungen bei. Danke!

Ihr Praxisteam