Praxis-Info April 2019

Liebe Patientin, lieber Patient,

zunächst eine organisatorische Information zu unserer Praxis. Die Praxis ist am 29.04. und 30.04. geschlossen. Wir bitte hierfür um Ihr Verständnis. Frau Dr. Bodrogi ist am 31.03. aus unserem Praxisteam ausgeschieden. Wir wünschen ihr für ihre private und berufliche Zukunft alles Gute.

 Wie immer wollen wir Sie in unserer Praxisinfo auch über ein medizinisches Thema von allgemeinem Interesse informieren, so heute zum Thema   RÜCKENSCHMERZEN.

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Bei einer Befragung gaben 39% der Frauen und 31% der Männer an, dass sie in den letzten sieben Tagen Rückenschmerzen hatten. Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für Krankschreibungen, für 40% aller Rehabilitationsmaßnahmen und für ein Fünftel aller Frühberentungen.  Rückenschmerzen verursachen jährliche Behandlungskosten von circa 25 Milliarden Euro.

 Was verursacht nun Rückenschmerzen ?

Als sich unsere Ahnen vor circa 4 Millionen Jahren praktisch auf die Hinterbeine stellten, um die Hände für den Gebrauch von Werkzeugen frei zu bekommen, musste sich vor allem die Wirbelsäule auf neue statische Erfordernisse einstellen. Knochen, Bänder, Gelenke, Bandscheiben und die Rückenmuskulatur wurden nun in einer anderen Weise als bisher gefordert.

Die Wirbelsäule besteht aus 24 knöchernen Wirbelkörpern (7 Hals- 12 Brust- und 5 Lendenwirbelkörper) und aus 9 weiteren Wirbelkörper, die im Kreuz- und Steißbein fest  zusammengewachsen sind. In einem Kanal, der die Wirbelsäulenknochen durchzieht, verläuft das Rückenmark, die Verbindung des Gehirns zu und von den verschiedenen Organsystemen des Körpers. Auf beiden Seiten der Wirbelsäule treten durch Zwischenwirbellöcher, die von den Bandscheiben frei gehalten werden, die peripheren Nerven aus dem Rückenmark aus (motorische Nerven) oder in das Rückenmark ein (sensible Nerven).

Die Wirbelkörper sind durch Gelenke miteinander verbunden und werden von Bändern und der Rückenmuskulatur zusammengehalten. Zwischen den Wirbelkörpern fungieren die Bandscheiben als Stoßdämpfer. Sie bestehen aus einem äußeren Ring, gebildet von Bindegewebe, aus Knorpel und einem inneren Gallertkern. Jede einzelne Struktur dieses Systems kann bei einer Schädigung zu Schmerzen führen. So kann eine Bandscheibe sich vorwölben (Protrusion) oder zwischen zwei Wirbelkörpern herausrutschen (Prolaps) und dabei auf die Nerven drücken.

Verschleißerscheinungen oder Entzündungen können die kleinen Wirbelgelenke verändern und so bei Bewegung zu Schmerzen führen. Durch Verletzungen oder durch Knochenschwund (Osteoporose)  können auch die knöchernen Strukturen der Wirbelsäule Schmerzen verursachen. Entzündungen der Bänder an der Wirbelsäule können ebenso schmerzen, wie reine Verspannungen der Rückenmuskulatur (Myelogelosen).

Jedoch nur circa 10% aller Fälle von Rückenschmerzen sind auf solche organischen Ursachen zurückzuführen, 90% aller Fälle von Rückenschmerzen sind funktionell bedingt.

Diese beruhen auf Funktionsstörungen des komplexen Systems aus Muskeln, Gelenken und Bändern der Wirbelsäule.

Die häufigste Ursache hierbei ist wiederum eine Funktionsstörung der Rückenmuskulatur in Form von Unter- oder Überforderung und der damit einhergehenden Verkürzung und Verhärtung dieser Muskelgruppen. Die Ursachen hierfür liegen meist in den Lebensumständen und in dem Verhalten der Betroffenen. Stress steigert die Muskelspannung vor allem der Rückenmuskulatur, Fehlhaltungen am Arbeitsplatz und fehlende Bewegung sind zusätzlich dafür verantwortlich, dass sich solche Verspannungen nicht mehr lösen.

Verspannungen in der Muskulatur des Rückens führen zu Schmerzen, diese Schmerzen führen dann wiederum zu muskulären Verspannungen verbunden mit einer Schonhaltung, die die Muskulatur verschmächtigen lässt und damit dem System den Halt nimmt. Ein Teufelskreis ist eröffnet. Was tun?

Die Feststellung, ob eine organische Ursache, z.B. ein Bandscheibenvorfall oder ein funktioneller Rückenschmerz vorliegt, ist Aufgabe des Arztes. Hierbei steht die Erhebung der Krankengeschichte, eine neurologische Untersuchung und ergänzend ein so genanntes „Bildgebendes Verfahren“ mittels Kernspintomographie (MRT) oder Computer-Tomographie (CT) an erster Stelle der Diagnostik. Nur durch eine solche exakte Diagnosestellung ist eine richtige Therapie und damit die Verhinderung von Spätfolgen, etwa von bleibenden Nervenschädigungen oder einer Chronifizierung des Schmerzes  nach dem Grundsatz „erst eine Diagnose, dann die Therapie“ möglich.

Die wichtigste Säule der Therapie von funktionellen Rückenschmerzen stellt dabei die  Schmerztherapie dar. Nur so kann sichergestellt werden, dass der betroffene Patient wieder aktiv seine Rückenmuskulatur bewegt. Verschiedene Medikamentengruppen stehen hierbei zur Verfügung, so zum Beispiel einfache Schmerzmittel (Paracetamol), Antirheumatica (Diclofenac, Aspirin), Muskelrelaxantien (Ortoton), Antidepressiva in geringer Dosierung (Duloxetin), Wärmepflaster (ABC-Pflaster), lokale Infiltrationen mit Lokalbetäubungsmittel (Quaddel- oder Neuraltherapie) und bei ausbleibender Wirkung dieser Medikamente auch Opioide (Abkömmlinge des Morphins).

Eine Selbstmedikation mit „nicht  verschreibungspflichtigen Medikamenten“ sollte wegen möglicher Nebenwirkungen unterbleiben, so kann zum Beispiel die Einnahme von Aspirin zu Magenblutungen und Blutgerinnungsstörungen führen.

Neben der medikamentösen Therapie von Rückenschmerzen bietet sich die Akupunkturbehandlung ebenso wie eine transkutane (durch die Haut erfolgte) elektrische Nervenstimulation (TENS) an. Da eine häufige Ursache von funktionellen Rückenschmerzen in subjektiv empfundenen Stressbelastungen zu finden ist, haben auch psychologisch-verhaltensmedizinische Therapien einen großen therapeutischen Stellenwert. Atemtherapie, Meditation, Autogenes Training und die progressive Muskelentspannung nach Jakobson sind hier stellvertretend zu nennen.  Die Physiotherapie und die manuelle Therapie runden das Therapiekonzept  bei funktionellen Rückenschmerzen ab.

Lassen Sie sich beraten.

Ihr Praxisteam