Praxis-Info September 2018

Liebe Patientin, lieber Patient,

wir hoffen Sie sind gesund und erholt aus Ihrem Urlaub zurückgekehrt!

Frau Dr. Hiesinger wird Ende September ihre Tätigkeit in unserer Praxis in Erwartung der Geburt ihres Kindes zunächst beenden. Wir wünschen ihr und dem neuen Weltenbürger schon jetzt alles Gute und bedanken uns für die außerordentlich kollegiale Zusammenarbeit!

Wie in jeder unserer Praxisinfos wollen wir Sie auch im August über ein gesundheitsrelevantes Thema unterrichten, diesmal über das Symptom >Schwindel< , die Ursachen und die Folgen einer solchen Erkrankung.

Eine Studie ergab, dass 11% der Patienten wegen einer Schwindelsymptomatik ihren Arzt aufsuchen. Das durchschnittliche Alter lag bei 45,9 Jahren, 51,7 % davon waren Frauen. Bei den über 65-jährigen sind es bereits mehr als 20% der Patienten, die wegen eines Schwindels (Vertigo) in der Sprechstunde vorstellig werden, denn die Häufigkeit einer Schwindelsymptomatik nimmt mit zunehmendem Lebensalter erheblich zu. Gerade bei älteren Patienten stellt der Schwindel eine erhebliche Gefahr dar, da schwindelbedingte Stürze fatale Folgen haben können. Das sind z.B. Knochenbrüche. Dabei sind operativ zu versorgende Oberschenkelhalsfrakturen die häufigste Frakturform. In der Folge können Komplikationen, wie zum Beispiel Thrombosen mit nachfolgender Lungenembolie oder Infektionen während des Klinikaufenthaltes, zu einem erhöhtem Sterberisiko bei dieser Patientengruppe führen. Darüber hinaus sind ältere Menschen mit Schwindel ganz elementar in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Aus der berechtigten Angst vor Stürzen und den daraus resultierenden möglichen Folgen wagen sich viele ältere Schwindelpatienten nicht mehr aus ihrer Wohnung, was wiederum zur sozialen Isolation und damit zu einem erheblichen Verlust an Lebensfreude und zu Depressionen führen kann.

Schwindel stellt ein Symptom dar und ist keine Diagnose. Schwindel kann die verschiedensten Ursachen haben, deshalb ist vor jeder Therapie eine genaue Diagnosestellung, unabhängig vom Lebensalter des Betroffenen Voraussetzung für eine zum Ziel führende Therapie.
Unter Schwindel versteht man als Laie das Empfinden eines Dreh- oder Schwankgefühles oder das Gefühl der drohenden Bewusstlosigkeit. Im medizinischen Sinn wird Schwindel als wahrgenommene Scheinbewegung zwischen sich und der Umwelt definiert. Man unterscheidet hierbei Drehschwindel, Schwankschwindel, Liftschwindel (Gefühl wie bei der Fahrt in einem Lift), Bewegungsschwindel beim Gehen und den unsymptomatischen Schwindel, wie er zum Beispiel beim Aufstehen oder bei Lagewechsel auftritt.

Das Gleichgewichtsgefühl wird beim Menschen über Informationen des Sehens, des Innenohrs und von Nervenzellen (Rezeptoren) in der Muskulatur und in den Gelenken an das Kleinhirn vermittelt. Hierbei müssen die Informationen von den Augen, dem Innenohr und den Muskeln/Gelenkrezeptoren für das Kleinhirn übereinstimmen. Wird von einem der am Gleichgewichtssinn beteiligten Organe eine „falsche Meldung“ abgegeben, führt das zu Schwindel in der verschiedensten Form.
Daneben können natürlich auch Erkrankungen des zentralen Gleichgewichtsorganes, dem Kleinhirn, Schwindel verursachen.
Die Schwindeldiagnostik erfordert deshalb eine umfangreiche Untersuchung der am Gleichgewichtssystem beteiligten Organe. Erkrankungen der Augen, wie Sehfehler, Erkrankungen des Innenohres, wie etwa Entzündungen, sowie Erkrankungen des peripheren Nervensystems, wie zum Beispiel eine Polyneuropathie beim Diabetiker, können ebenso Ursache für eine Schwindelsymptomatik sein, wie aber auch eine Erkrankung des Kleinhirnes differentialdiagnostisch auszuschließen ist. Ebenso wichtig ist bei der Schwindeldiagnostik der Ausschluss einer durch eine Herzkreislauferkrankung bedingte Durchblutungsstörung der am Gleichgewicht beteiligten Organstrukturen. Herzrhythmusstörungen, lageabhängige Blutdruckschwankungen (Orthostase), Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen an den Halsschlagadern (Arteriosklerose) können ebenfalls Ursache für einen Schwindel sein. Nicht  zuletzt sollte durch eine ausführliche Anamnese die Ursache eines Schwindels durch Medikamente (Blutdrucksenker, Antidepressiva, Schlaftabletten) und durch den Missbrauch von Alkohol, Drogen und Nikotin ausgeschlossen werden.

Ihr Arzt wird mit einer ausführlichen Anamnese, einer neurologischen und körperlichen Untersuchung in Verbindung mit einer Laboruntersuchung, einer Untersuchung des Herzkreislaufsystems (RR-Messung, EKG, 24-Std.EKG), und der hirnversorgenden Gefäße (Carotisdoppler) zunächst die häufigsten Ursachen für einen Schwindel ausschließen. So ist vor allem bei jüngeren Patienten in 80% aller Fälle eine harmlose „Blockade“ im Innenohr für einen so genannten Lagerungsschwindel verantwortlich und kann schon durch eine einfache körperliche Untersuchung festgestellt werden. Sollte jedoch durch die Untersuchungen beim Hausarzt keine Ursache für den Schwindel gefunden werden, so ist die Überweisung zu einem Augen- und HNO-Arzt unumgänglich. Durch bildgebende Verfahren des Gehirns (MRT, Angiographie) sollte bei weiter unklarem Schwindel eine Erkrankung des zentralen Nervensystems unbedingt ausgeschlossen werden.
Ihr Praxisteam